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Berlusconi stolpert endlich über seine Peinlichkeit

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Berlusconi stolpert über seine Peinlichkeit

// von Udo Gümpel, Rom

Korruption, Steuerhinterziehung, Bilanzfälschung, Kontakte zur Mafia – Ministerpräsident Berlusconi hat Skandale überstanden, die in normalen Demokratien das Ende jeder politischen Karriere bedeutet hätten. Fallen wird er nun wohl über Orgien mit Prostituierten, über bezahlten Sex mit einer Minderjährigen.

Veronica Lario, die von Silvio Berlusconi getrennt lebende Ehefrau und Mutter seiner drei jüngsten Kinder, hat es schon vor zwei Jahren deutlich gesagt: „Mein Mann ist krank, die Menschen in seiner Umgebung sollten ihm helfen.“ Wie krank er ist, erfahren wir heute. Silvio Berlusconi ist ganz offenkundig sex-krank. Der Abstieg lief kontinuierlich. Vor einigen Jahren waren es noch TV-Ansagerinnen, Schauspielerinnen, Sängerinnen, darunter auch recht bekannte, die als seine Begleiterinnen gehandelt wurden, augenzwinkernd. Das war noch allgemein akzeptiert in einer Gesellschaft der doppelten Moral.

Dann kam Noemi aus Neapels Vorstadt, sie war „la pupilla“, Berlusconis „Augenstern“. Von Noemi dann der Abstieg zu Ruby „rubacuori“, Ruby, die Herzensbrecherin. Beide waren minderjährig, als Berlusconi sie kennenlernte.

Auf die Frage einer Freundin – in einem von der Polizei abgehörten Gespräch – ob sie denn nun die neue „pupilla“ Berlusconis sei, der neue Augenstern, lacht Ruby nur ins Telefon und meint ganz lapidar: „ich bin nicht ‚la pupilla‘, ich bin der ‚culo'“ – der Popo Berlusconis.

Selbst die hartgesottensten Berichterstatter haben Probleme damit, die Abhörprotokolle wiederzugeben. Da reden die 20- bis 25-jährigen Mädchen unverhohlen von den sexuellen Leistungen, die sie erwarten. Eine meint, „ich hatte ja schon in der Zeitung davon gelesen (aus dem Fall D’Addario), aber es ist alles noch viel schlimmer“. Eine andere meint: „Wenn du nicht bei allem mitmachst, fliegst du sofort raus und ab geht’s nach Hause.“ Da ist die Rede von Gruppensex, von „Bunga-Bunga“, da werden, so heißt es, unter der Regie einer ehemaligen Zahnpflegerin, die mittlerweile Abgeordnete Berlusconis in der Lombardei geworden ist, lesbische Spiele eingeübt – während ein vergnügter Berlusconi entweder nur zuschaut oder sich mitten ins Vergnügen stürzt: Die durchsickernden Details sind verwüstend für den Protagonisten. Es ist das Bild eines, wie ein Mädchen laut Protokoll sagt, alten Mannes, der nur zu einem gut sei: viel Kohle „abzudrücken“.

Wenn Berlusconi das lesen würde. Denn Berlusconi ist immer noch davon überzeugt ist, dass die Mädchen, die er in einer Art Harem in Luxusapartments seiner Trabantenstadt Milano Due abgeschirmt zur Verfügung hielt und noch immer dort wohnen lässt, mit ihm zusammen sein wollen, weil er ein so toller Kerl ist. Und nicht wegen der fünf- oder zehntausend Euro, die eine jede in 500-Euro-Banknoten mit nach Hause nehmen darf. Die realistische Selbstwahrnehmung ist Berlusconi vollkommen abhanden gekommen.

Von der Verjährungsregel gerettet

Bisher war Silvio Berlusconi durch die Vielzahl der Prozesse wegen Wirtschaftsverbrechen bekannt, die er auf geradezu unglaubliche Weise am Ende immer heil überstand. Je schlimmer der Vorwurf, je dokumentenreicher bewiesen, desto sicherer war sein Davonkommen.

Die einwandfrei erwiesene Bestechung von Finanzbeamten, die seine Firmengruppe durchforsteten, blieb an untergebenen Managern hängen. Im Fall der Bestechungsgelder für den früheren Sozialistenchef Bettino Craxi, über die Briefkastenfirma All Iberian in der Schweiz bezahlt, wurde Berlusconi in erster Instanz noch zu 2 Jahren und 4 Monaten Haft verurteilt, das Verfahren gegen ihn später aber wegen Verjährung eingestellt, eben wegen der langen Prozessdauer. Trotz gerichtlich festgestellter Korruptionszahlungen bleibt Berlusconis Weste weiß – dank der Verjährungsregeln im italienischen Strafprozess, die sich als echtes Glück für Berlusconi erwiesen haben.

Denn anders als etwa im deutschen Strafrecht, laufen die Verjährungsfristen in Italien weiter, nachdem der Prozess begonnen hat. Ein Verbrecher mit vielen guten Anwälten hat also die besten Chancen, dass das Verbrechen früher oder später verjährt ist. Wen schert dann noch ein böses Richterwort im „Einstellungsbescheid“, dass die Straftat eindeutig erwiesen sei, dass Schmiergelder geflossen oder die Bilanz gefälscht worden ist? Niemanden, vor allem in Italien nicht, wo das Normalpublikum der Staatssender RAI davon fast nie erfahren und wo das Privatfernsehen zu 95 Prozent in Berlusconis Hand ist. Da wird eine Verjährung dann schnell einmal uminterpretiert und zum Freispruch gemacht.

„Kommunistische Verschwörer“

Selbst der für jeden Politiker der normalen demokratischen Welt absolut tödliche Vorwurf, er habe einen Zeugen bestochen, wie im Fall des englischen Anwalts David Mills, hat Berlusconis Beliebtheit bei seinen Anhängern nicht geschmälert. Das stelle man sich einmal vor: In diesem Fall mangelt es der Anklage an nichts, sie hat die Zeugen, die Geldüberweisung von 600.000 Dollar und ein glasklares Motiv: Anwalt Mills sollte Geschäfte Berlusconis über Briefkastenfirmen in der Schweiz vertuschen. Mills ist schon in der zweiten Instanz verurteilt und dürfte noch vor den Sommerferien endgültig für ein paar Jahre ins Gefängnis gehen. Berlusconi, der im Mills-Urteil des Appellationsgerichtes als der „Korrumpierer“ des korrupten Mills definiert wird, hatte es bislang dank des Immunitätsgesetzes geschafft, nicht vor Gericht erscheinen zu müssen. Nachdem dieses dritte Berlusconi auf den Leib geschneiderte Immunitätsgesetz vergangene Woche auch wieder wie alle seine Vorgänger aufgehoben wurde, beginnt der Korruptionsprozess auch für Berlusconi wieder neu. Ebenfalls wieder neu aufgenommen wird ein Prozess wegen Steuerhinterziehung, bei der Berlusconi über Briefkastenfirmen beim Filmeinkauf in Hollywood bedeutende Summen abgezweigt und am Fiskus vorbei geschleust haben soll.

All diese Prozesse haben Berlusconi bisher nicht weiter geschadet, weil die italienische Öffentlichkeit in ihrer Breite nur über das Fernsehen erreicht werden kann, und das steht nun einmal unter der fast vollkommenen Kontrolle Berlusconis. So glauben die Anhänger Berlusconis die Vorwürfe einfach nicht, halten die Beweise für frisiert und die Justiz für einen Haufen „kommunistische Verschwörer“ – das ist kein Witz, sondern das erlebe ich tagtäglich, wenn ich mit dem Mikro in der Hand das Volk befrage.

Ist die Berlusconi-Anhängerschaft einig in der Ablehnung aller Arten staatsanwaltlicher Anklagen, so hat der Sexskandal doch tiefe Spuren auch bei Berlusconi-Fans hinterlassen. Vor allem unter Frauen, bei Kirchgängern, bei Wertkonservativen, aber auch bei den noch immer existierenden Faschisten geht dies nicht mehr durch. Alles ist erlaubt: sich bereichern, den Staat betrügen, Schwarzgelder im Ausland bunkern – doch bei Sex mit Minderjährigen scheint die Grenze überschritten.

Darf Italien also hoffen, dass die Götterdämmerung begonnen hat? Wie lange sie jedoch dauert – das weiß zwischen Po und Tiber niemand. Berlusconi, das ist sicher, wird seine Haut teuer verkaufen.

Text nicht von [sc.] sondern von Udo Gümpel (n-TV Rom- Korrespondent)

Quelle: n-tv.de

Written by sanscencure

Januar 19, 2011 at 09:56

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